| Archivo |
![]() |
![]() Photos: Archive Pierre und Ruth Radvanyi |
|
||||||||||||
|
|
Eine der bedeutendsten deutschen Erzählerinnen des 20. Jahrhunderts. 1900 in Mainz geboren. Erste Erfolge in der Weimarer Republik, Exil in Frankreich 1933 - 40, Exil in Mexiko 1940 - 47. In der Emigration weltberühmt durch den Roman "Das siebente Kreuz". Rückkehr nach Deutschland 1947. 26 Jahre Präsidentin des Schriftstellerverbandes der DDR. Gestorben 1983. In Spanien und Lateinamerika nur wenig bekannt.
Anna Seghers hatte bereits mit ihren ersten Erzählungen in der Weimarer Republik großes Aufsehen erregt und schon als sehr junge Autorin - mit 28 Jahren -den renommierten Kleist-Preis erhalten. Wie viele Künstler dieser Zeit sympathisierte sie mit sozialistischen Ideen und trat Ende der zwanziger Jahre in die kommunistische Partei ein. Seghers ist übrigens nicht ihr richtiger Name, sondern das Pseudonym, unter dem sie ihre ersten Arbeiten veröffentlichte. In ihrer literarischen Existenz bezeichnete sie sich als "Enkelin" von Jan Seghers, einem protestantischen Pfarrer aus Holland, auf dessen Grabstein von 1625 nach einer lokalen Fabel stand, dass er als Toter mit seinen wilden und zornigen Gebeten Gott so lange zusetzte, bis dieser ihn in seiner alten Gestalt noch einmal leben lassen musste, um für die Gerechtigkeit auf der Erde weiter kämpfen zu können. Diese literarische Selbsterfindung ist wohl auch als Abgrenzung gegenüber ihrem jüdischen, wohlhabenden Mainzer Elternhaus zu verstehen, in dem sie 1900 als Netty Reiling geboren wurde.
|
|
|
Sie hatte zwei Kinder , die 1926 und 1928 geboren wurden. Allerdings
war Familie nie Hauptgegenstand ihrer Arbeiten. Ihr Interesse galt der
Entwicklung von Personen, die in die gesellschaftlichen und politischen
Widersprüche ihrer Zeit verwickelt wurden; die realistischen Thematiken
ihrer Werke waren häufig durch Elemente von Märchen, Sagen oder
Fabeln verfremdet. Da Anna Seghers als prominente kommunistische Autorin und ihr Mann,
der ungarische Soziologe Laszlo Radvanyi, als Direktor der Marxistischen
Arbeiterschule Berlin (MASCH), bereits Anfang der 30er Jahre von den Nazis
massiv bedroht wurden, mussten sie schon Anfang 1933 Deutschland verlassen.
Ihre Fluchtstationen waren die Schweiz, Frankreich und Mexiko.
|
|
|
Der "Fluchtort Mexiko" bot nicht nur vielen fortschrittlichen
Deutschen Asyl, sondern öffnete seine Grenzen auch für zahlreiche
spanische und lateinamerikanische Künstler und Intellektuelle. Mexiko
gab den Exilierten gezielt die Möglichkeit, weiter gegen den Faschismus
zu kämpfen. Dass es zwischen diesen von ihrer Herkunft sehr unterschiedlichen
Gruppen teilweise sehr enge Kontakte gab, zeigt sich beispielsweise darin,
dass Anna Seghers unmittelbar nach ihrer Ankunft von Pablo Neruda, damals
chilenischer Generalkonsul in Mexiko, zu einem Willkommensessen eingeladen
wurde. Zu Weltruhm gelangte Anna Seghers durch ihren Roman "Das siebte
Kreuz", der 1942 eines der erfolgreichsten Bücher in den Vereinigten
Staaten war und in der Verfilmung durch Fred Zinnemann von 1944 gleichfalls
große Resonanz fand. Seit den neunziger Jahren hat eine Phase der weniger ablehnenden Betrachtung des Werks von Anna Seghers in den Nachschlagewerken begonnen. Es scheint aber immer noch ein Tabu zu sein, den literarischen Stellenwert ihrer Arbeiten zu benennen, wie sonst bei bedeutenden Autoren in Lexika üblich. Wir wollen mit den ausgewählten Texten eine Einladung verfassen, sich selbst ein Bild zu machen, nicht nur wegen der Aktualität vieler ihrer Werke, sondern wegen mancher Schätze, die es zu entdecken gibt. |
|
Links http://www.anna-seghers.de En español http://www.goethe.de/hn/mex/retro/spa00_3.htm
|
| oben I zurück |