Wer in den letzten zwei Septemberwochen 2002 die spanische oder deutsche
Presse zum Konflikt zwischen Israel und Palästina liest, findet
Informationen, die weitgehend unabhängig vom politischen Standort
der jeweiligen Zeitungen oder der Sprache, in der sie veröffentlicht
worden sind, in ihrer Perspektive weitgehend übereinstimmen, mit
der in "neutralen Formulierungen", scheinbar ohne Bewertung
über deren militärische Handlungen berichtet wird.
Die Fakten: Die israelische Armee hat zusätzlich zu ihrer
Besetzung von Teilen Palästinas den Sitz der palästinensischen
Regierung bis zum 29.09. 02 belagert und den palästinensischen
Regierungssitz zerstört bis auf das Gebäudeteil, in dem sich
auch der palästinensische Präsident Arafat mit etwa 200 Personen
befindet. Hintergrund und Begründung dieser Aktivitäten sind
die letzten beiden Selbstmordanschläge, denen zahlreiche israelische
Zivilpersonen zum Opfer gefallen sind. Obwohl die Regierung Arafat eine
Beteiligung abstreitet und diese Attentate verurteilt hat, macht die
israelische Regierung die palästinensischen Repräsentanten
für diese Terrorakte verantwortlich und leitet daraus die Legitimation
für ihr Handeln ab. Sie verstößt damit gegen das Völkerrecht
und zahlreiche Resolutionen des Sicherheitsrates sowie der Vollversammlung
der Vereinten Nationen.
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Chronologie
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20.09.02
Frankfurter Rundschau
"Als Vergeltung für die neuen palästinensischen
Selbstmordanschläge hat Israels Armee große Teile des
Hauptquartiers von Palästinenserpräsident Yassir Arafat
in Ramallah gesprengt und die Überreste mit Bulldozern dem
Erdboden gleichgemacht."
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El País
"Desde el exterior del recinto, y a través de los altavoces,
los soldados, siguiendo las consignas del alto mando militar, reclamaron
a la Autoridad Nacional Palestina la entrega de 20 de sus colaboradores
que se encontraban en el complejo, entre los que se hallaban
el responsable de la guardia presidencial, el general Mahmud Dambra,
y el jefe de los servicios secretos de Cisjordania, Tawfik Tirawi."
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Kommentar: In der Frankfurter Rundschau wird die
Darstellung der israelischen Regierung übernommen und mit dem
Wort "Vergeltung" ein Begriff verwendet, der im Völkerrecht
nicht vorkommt.
El País stellt als Fakt dar, dass sich 20 gesuchte
Personen in dem Gebäude befinden, die ausgeliefert werden sollen.
Das ist die Wiedergabe einer eine Behauptung aus iraelischen Quellen,
aber nicht als Tatsache belegt.
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22.09.02
Abc
"Miles de palestinos se echan a la calle para apoyar a un
Arafat que insiste en no rendirse"
"Israel autoriza a Arafat a salir del país con la condición
de que no vuelva.
Esta invitación se produce mientras continúa el asedio
y la destrucción del complejo de la Mukata en Ramala, donde
permanece aislado Arafat, hecho que ha desatado esta madrugada
violentas manifestaciones en los territorios palestinos que
se han saldado con al menos cuatro palestinos muertos y una treintena
de heridos."
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El mundo
"Cuatro muertos y más de 40 heridos en las protestas
de miles de palestinos contra el asedio israelí a Arafat.
Cuatro palestinos han muerto y más de 40 han resultado
heridos en Cisjordania, donde miles de personas han salido a
la calle, violando el toque de queda, para protestar contra el asedio
israelí al cuartel general de su líder, Yasir Arafat,
en Ramala. Éste ha asegurado que no se rendirá y que
quiere 'probar el sabor del martirio'"
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Die Welt
"Israels Regierung legt Arafat Exil nahe.
Arafat weigerte sich, den Forderungen der israelischen Seite nachzukommen.
Er wolle lieber als Märtyrer sterben als sich ergeben,
sagte der 73-Jährige nach Angaben seines Sprechers. Er soll
nach dem Willen der Regierung Ariel Scharons 50 Sicherheitskräfte
ausliefern."
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Kommentar: Die Meldungen vom 22.09. befassen sich mit den
palästinensischen Demonstrationen gegen die israelischen Militäraktionen.
In Abc wird mit einem negativen Verb (insistir en)der
Eindruck erweckt, dass Arafat besser auf die Vorschläge Israels
eingehen sollte. In der zweiten Nachricht, auch aus Abc,
werden die Demonstrationen als gewalttätig beschrieben, was
die Tatsachen umdreht. Denn die Demonstranten waren unbewaffnet
- ihre Aktionen sind gewaltsam unterdrückt worden.
Über das Ergebnis dieser gewaltsamen Unterdrückung berichtet
El Mundo. Dort erfährt man von 4 Toten und mehr als
40 Verletzten - allerdings wird kein Subjekt benannt, was diese
Taten begangen hat, obwohl klar ist, dass die israelische Armee
dafür verantwortlich ist. Zudem zitieren sie nur einen Teil
einer Erklärung von Arafat "er wolle den Geschmack
des Martyriums probieren".
Die vollständige Aussage wird uns in der Welt berichtet.
Dort wird deutlich gemacht, dass Arafat nicht freiwillig Märtyrer
sein will, sondern dass dies nur als letzte Konsequenz vor dem Aufgebenfür
ihn in Frage kommt. Zudem wird durch das verkürzte Zitat in
El Mundo der Gedanke nahegelegt, dass Arafat mit einem "freiwilligen"
Märtyrertod in der gedanklichen Nähe von Selbstmordattentätern
ist. Erstaunt hat uns zudem, dass laut Die Welt sich inzwischen
etwa 50 gefährliche Personen im Regierungsgebäude aufhalten,
deren Auslieferung Israel fordert. Der ständige Wechsel in
der Menge der gefährlichen Personen in der Nähe Arafats
ist eine Konstante in den Berichten. Auf diesen Aspekt, der die
Glaubwürdigkeit der israelischen Quellen einschränkt,
sind die von uns untersuchten Medien nicht eingegangen.
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23.09.02
Financial Times Deutschland (ftd)
"Internationaler Druck auf Israel steigt
Auf massiven Druck der USA und der Europäischen Union
hat die israelische Armee die Zerstörung des Amtssitzes von
Palästinenserpräsident Jassir Arafat vorerst gestoppt.
UN-Generalsekretär Kofi Annan beschuldigte Israel der Behinderung
einer Nahost-Lösung."
25.09.02
La vanguardia
" EL NUEVO ESCENARIO BÉLICO
EE.UU. tolera una condena a Israel
Enérgica resolución del Consejo de Seguridad contra
el acoso israelí, sin el veto de EE.UU."
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Kommentar: Tage später spricht die Financial Times
Deutschland von massivem Druck der USA auf Israel. Erstaunlich ist
nur, dass sich die Vereinigten Staaten bei der Resolution der UN,
in der der Rückzug der israelischen Armee gefordert wird, der
Stimme enthalten haben. Der "massive Druck" scheint nicht
lange angehalten zu haben.
Schwer ist es, in diesem Zusammenhang überhaupt diesen Begriff
zu verwenden.
Dass die USA wissen, was massiver Druck ist, erkennen wir an ihrem
Vorgehen gegenüber dem Irak. Dort zeigen sie, was man gegenüber
einem Staat alles tun kann, der UN-Resolutionen nicht respektiert.
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